Philander, Hauptperson des Romans und Ich-Erzähler der Geschichte ist auf der Flucht in eine Bande Räuber geraten, denen er sich nolens volens anschliesst. Gerade ist es der Bande gelungen reisende Händler gefangen zu nehmen:

Noch vor Tagesanbruch kamen wir dennoch zu unserer Gesellschaft im Wald. Die nahmen wir mit und ritten vielleicht zwei Stunden lang das Land hinunter bis zu einem alten Städtchen mit einem Schloß. Mit dessen Verwaltern und den Bürgern der Stadt waren unsere Leute gut bekannt. Darum wurden wir auch eingelassen und die Tore hinter uns verschlossen, wie es später noch oft geschehen ist. (Man geht heute davon aus, dass mit dieser Stadt Saarbrücken gemeint ist. Zwischen 1636 und 1643 war Saarbrücken von lothringischen Truppen besetzt. Diese standen zwar nach dem Papier auf Seiten der kaiserlich.katholischen Seite waren in ihrer Kriegsführung  jedoch ohne Skrupel gegen alle Seiten und wegen ihrer erbarmungslosen Kriegsführung gefürchtet.) Hier war uns allen erlaubt zu schlafen. Die Gefangenen aber wurden oben in einer Stube zusammengesperrt, das Haus vor den Fenstern und vor der Türe mit Wachen besetzt.

Wir schliefen bis gegen drei Uhr und hatten uns wieder erholt. Unterdessen hatte der Wirt in einem Saal trefflich zugerüstet. Da war alles in großem Vorrat an Wildbret, Geflügel, Fische, auch Gesottenes und Gebratenes, mitsamt denm besten Wein.

In dieses Wirtshaus kam der Wirt von R., der uns eben noch die Kaufleute verraten hatte, zu uns. Damit alles nach der Ordnung herginge, stellte er sich als ob ihm wäre geplündert worden und verlangte, dass man diese Reiter in Haft nehmen sollte. Da dachte ich an den Sauveitle und sagte im Stillen zu mir: Oh wie kann der Gauner die Worte verdrehen! Unsere Reiter dagegen taten so, als ob sie ihn zu Tode schlagen und niedersäbeln wollten. Doch waren ihre Streiche wie von Flaumfedern. Zuletzt verglichen sie sich mit ihm, indem er zwanzig Dukaten als Abstandssumme nahm und nichts weiter von ihnen verlangen sollte. Damit waren beide Seiten zufrieden und ich mußte ihm dieses Geld aus dem gemeinsamen Säckel bezahlen. Aber es war eigentlich das Trinkgeld, das er für seine geleistete Verräterei verdient hatte. Doch einer der Kaufleute wollte ihn bezichtigen, erhätte noch 20 Reichsthaler unterschlagen, die er ihm in einem Säckel zur Verwahrung übergeben habe. Aber die Abrechnung hatte jetzt ein Ende. Es war jetzt ausgefischt und wir mußten den Wirt als Freund behandeln.

Die ganze Nacht hindurch waren wir dort recht lustig. Gegen Tag aber legten wir uns wieder schlafen.

Da dachte ich oft, was für ein Geselle ich nun geworden wäre. Denn ich kannte recht wohl den Lohn und das Trinkgeld, das diejenigen zu erwarten haben, die aus Tag Nacht und aus Nacht Tag zu machen pflegen.

Um die Mittagszeit kam ein anderer Botschafter das Land herauf mit einem Brief, welchen er mit Papier umwickelt in einem Schollen Erde eingeballt in der Hand trug, damit er ihn im Notfall unauffällig beiseite werfen werfen könnte. Dieser Brief wurde mir zu lesen überreicht, doch konnte ich nicht gleich verstehen und die anderen noch viel weniger als ich.

Er kam aber von einem Bürgermeister, der eine Zeitlang in großer Gefahr gestanden hatte wegen unserer Reiter. Die hatten ihm den Tod geschworen, weil er sie an einem Ort hatte verraten wollen. Der nun, um sich unserer Partei wieder beliebt und seine Sache gut zu machen, schickte uns diesen Brief. oh, mein guter Gott ! Was tut der teuflische Eigennutz nicht ! Wegen seines Eigennutzes hatte er soweit Gott vergessen, dass er allein eine so schreckliche tTat verursachte, die ansonst nicht geschehen wäre.

In dem Brief stand: << Riobo hollom: oß wild abol nelgom flaoha oim Schiff mit ajorom wuhlom, glessol buhlschufft and raottom aem himmom much Trier gohom. Duß keommont sio urros hubom. zar sicholhoit hub ich jhmom noimom sehm zan pfumdt goschickt. W.>>

Ich bat den Doktor, dass er mir entziffern helfen wollte. Er war nun auch auf unserer Seite. Denn uns beiden war aus dem gemeinsamen Säckel ein gutes Pferd samt allem Zubehör gekauft worden. So waren wir aufgesessen (ich hätte fast gesagt besessen) gemacht worden. In einer Viertelstunde hatten wir den Inhalt des Briefes herausgebracht.

Der Sinn war so: <<Liebe Herren ! Es wird übermorgen früh ein Schiff mit vielen Waren, großer Barschaft und vielen Leuten von hier nach Trier auslaufen. Das können Sie alles haben. Zur Sicherheit habe ich ihnen meinen Sohn zum Pfand geschickt. W.>>

Sobald wurde der Bote auf sein Verlangen hin wieder vor das Städtchen gelassen. Er holte in einem Garten in der Nähe des Bürgermeisters Sohn ab und brachte ihn mit sich. Der wurde von uns trefflich bewirtet, aber in Verwahrung genommen, bis wir wieder vom Streifzug zurück gekommen wären.

Neun von uns mußten auf Pferd, der Doktor und ich auch. Und jeder mußte einen Musketier hinter sich sitzen lassen. Die waren zum Teil mit langen Feuerrohren, zum Teil mit gezogenen Rohren ausgerüstet.

Wir hatten acht starke Meilen zu reiten.(Eine Meile = hier ca 7,5 km (nicht zu verwechseln mit einer Seemeile)=> ca 60 km von Saarbrücken => der Überfall findet in der Region zwischen Mettlach und Saarburg statt) Deshalb saßen wir um zwei Uhr in der Nacht auf und ließen die Gefangen bewacht zurück. Der Verwalter des Ortes gab uns 500 Taler dafür. Er durfte dafür ganz nach Belieben weiter über deren Auslösung verhandeln und brachte es schließlich bis auf achthundert Taler. Ich lasse es ihn gegen Gott verantworten, denn ich habe eben mit mir selbst genug zu tun.

Wir ritten die Nacht hindurch bis gegen Tagesanbruch und kamen in eine andere kleine Stadt, wo wir ganz sicher waren, denn die Besatzung war uns jederzeit zugetan gewesen. Da blieben wir wieder bis gegen die Nacht und machten uns ordentlich lustig. Danach saßen wir auf und kamen nach drei Meilen an den Fluß hinunter. Dort stellten wir uns in einem menschenleeren Dorf in einer alten Scheuer auf und legten unsere Musketiere in die Büsche am Wasser. Um den Anschlag noch besser vorzubereiten, setzten dreie zu Pferd durch eine Furt über den Fluß auf die andere Seite.

Als nun gegen acht Uhr das angekündigte Schiff herab kam und unsere drei Reiter auf der anderen Seite sich sehen ließen, bemühten die guten Leute sich sehr, herüber zu kommen, auf die Seite, wo unsere Musketiere lagen. Zu allem Unglück aber ist das Gewehr eines der Musketiere, dessen Hahn nur an einer Weidengerte streifte, losgegangen, so dass sie, als sie schon landen wollten, die Unsrigen bemerkten und wieder in den Fluß zurücksteuerten. Indem die drei Reiter drüben mit Pistolen und einem langen Gewehr auf sie feuerten, mühten sich die armen Leute mit Rudern ab so gut sie konnten, um in der Mitte des Flusses uns zu entkommen, was ihnen auch gelungen wäre (denn unseren Musketieren wären doch etliche Wasserläufe dazwischen hinderlich gewesen), wenn nicht von beiden Seiten auf das Schiff gefeuert worden wären. Die unschuldigen Leute, bei denen auch etliche Weiber waren, wurden zuletzt so bestürzt in dieser Not, dass sie auch auf das Schießen nicht mehr achteten. Bis endlich das Schiff, das an einigen Stellen schon durchlöchert war, anfing mit allem, was auf ihm war,, zu sinken, untergrausamen Geschrei und Jammer, ein unglaublich schrecklicher Anbilck!

O Gott des Elends dieser armen unschuldigen Leute ! Das Wasser war nicht gerade reißend, aber an dieser Stelle sehr tief und ziemlich breit, auch war das Ufergestade sehr hoch, von zwei Furten abgesehen, welche allenfalls mit Gefahr zu durchreiten waren. So mußten sie alle vor unseren Augen untergehen und ersaufen.

Wer mehr erfahren möchte, sei auf das sehr informative Buch: Unter Räubern, Johann Michael Moscherosch: Soldatenleben, Hrsg: W.Schäfer, Verlag G. Braun, 1996, ISBN 3-7650-8170-1 hingewiesen